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PIRANESI

AUF

PIETS BROADWAY

Jörg Bergers etwas andere Kunstgeschichte

 

In einer Serie von “Bildmontagen“ setzte Jörg Berger (1949-2012) sich mit berühmten Werken der Kunstgeschichte auseinander und kontextualisierte sie neu, d. h. er schuf mit seiner Serie eine sehr persönliche, geradezu anarchisch-visuelle Kunstgeschichte, die sich nicht an vermeintlich wissenschaftliche Etiketten klammert, sondern in einer (scheinbar leichten) Art „wilden“ Denkens alte Kunst neu assoziiert und überraschende und witzige Verbindungen herstellt. Als Beispiel sei die Arbeit “Dix ging die Trommelei ziemlich auf die Nerven“ genannt. Das, was wir in der Kunstgeschichte oft nebeneinander gestellt vorfinden, etwa das Werk Otto Dix’ und Richard Oelzes in der Geschichte des Realismus der 20er und 30er Jahre, wird bei Berger zusammengebracht und verdichtet. Die Bilder weist eine eigenartige Phantastik aus und es wird sichtbar, wie hier realistische (veristische oder neusachliche) und surrealistische Bildelemente eine ungewöhnliche Verbindung eingehen und Bezüge deutlich werden. In einem Realismus-Katalog der frühen 1980er Jahre findet man beide Künstler, doch dort sind sie entsprechend der wissenschaftlichen Auffassung kunsthistorisch fein säuberlich klassifiziert und den verschiedenen Stilen zugeordnet.

Im Kontext der ganzen Serie, die ca. zwanzig Arbeiten umfasst, sieht der Betrachter Vertrautes sowohl im Werk von Dix als auch bei den Alten Meistern neu. Zugleich wird hier ein “methodischer“ Ansatz im Arbeiten Dix’ aufgegriffen, nämlich die Auseinandersetzung mit der alten Kunst auf eine Weise, die keine Ehrfurcht vor “Heiligen“ kennt, sondern eine produktive und schöpferische Auseinandersetzung mit der Kunst der alten Meister und ihren technischen Mitteln ist. Wie wohl kein anderer deutscher Maler hat sich insbesondere Dix mit den alten Meistern und der kunsthistorischen Tradition auseinandergesetzt und Künstler wie Werner Tübke sind ihm, wenn auch auf andere Weise, auf diesem Weg gefolgt. So gesehen ist das fiktive Zusammenbringen der Maler Dix und Tübke nur allzu konsequent.

Berger, 1950-2012, war Kunstpädagoge und Oberstudienrat und ein virtuoser Grafiker. Früher arbeitete er viel mit dem Tiefdruck, vor allem mit der Radierung und Aquatinta. Ein weiteres großes Arbeitsfeld war die Zeichnung und Pastellmalerei. In den letzten Jahren hatte er sich aber auf neue, rechnergestützte Bildverfahren spezialisiert. Die Serie der hier vorgestellten Bilder sind alle am Rechner generiert worden und damit ebenfalls zwar noch “Drucke“ – sie müssen ausgedruckt werden –, aber anders als die traditionellen Drucktechniken ist der materielle Charakter der Vorlage, des “Druckträgers“, virtuell. Insofern weisen die Bilder und ihr Herstellungsverfahren ins 21. Jahrhundert, auch wenn sie sich mit der alten Kunst auseinandersetzen. Es ist somit ein künstlerisches Spiel auf zahlreichen Ebenen.

Für mein Buch “Paula Modersohn-Becker. Der andere Blick“ (2009) entwarf Jörg Berger den Buchumschlag und bediente sich dabei eben jenes künstlerischen Verfahrens, wie es dieser Serie zugrunde liegt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

       
  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

   

 

 

     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Copyright aller Bilder © Bärbel Berger