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Kai Artinger

 Die Geschichte des Pastells

 Schmetterling

 im Garten der Kunst

 VDG ISBN 978-3-89739-820-7

 

Im New Yorker Auktionshaus Sotheby's wurde 2012 die Pastell-Version von Mönchs Gemälde "Der Schrei" für 91,3 Millionen € versteigert. Ein Auktionsweltrekord. Die Geschichte des Pastells ist reich an Sensationen.

Mit der venezianischen Pastellistin Rosalba Carriera steigt erstmals eine Frau zum Star am europäischen Kunsthimmel auf. Im Rokoko ist sie der Inbegriff der Pastellmalerei. In dieser Epoche entstehen Pastelle in der Größe mehrerer Quadratmeter. Für die Rahmen müssen gewaltige Gläser produziert werden. Sie sind Fortschritt in der Glasherstellung und Luxusgut zugleich. Auch später ist das Pastell Experimentierfeld der Kunst. Degas, Picasso, Redon schaffen darin Meisterwerke.

Heute gibt es eine lebendige internationale Pastellszene. Selbst die street art kennt die Trockenmalerei. Trotzdem erschien die letzte deutsche Monographie zum Thema 1921. Artingers Buch liefert eine auf der Höhe der aktuellen Forschung stehende Darstellung der Kunst- und Kulturgeschichte des Pastells von den Anfängen bis heute.

 

 

 

VOM RADIERER ZU DEGAS

Pastelle von Kai Artinger /Pastels by Kai Artinger

Die Pastellmalerei und ihre Geschichte beschäftigen mich schon sehr lange. Ich setze diese künstlerische Technik seit Jahrzehnten ein, da sie mannigfaltige Ausdrucksmöglichkeiten bietet.
Die Verwendung des Knetgummis in der Pastellmalerei lernte ich bei Jörg Berger kennen. Dessen Pastellmalerei (s. Artikel unten) besteht in der Kunst des Wegnehmens, der Auslassung, der Leerstelle. Das Gummi erhält die Funktion eines grafischen Werkzeuges, es schafft zeichnerische Strukturen, modelliert Plastizität, beeinflusst Farbwerte und schafft feinste Abstufungen.
Mitte der 80er Jahre begann ich in meinen Arbeiten ebenfalls mit dem Knetgummi zu experimentieren, doch ich setzte es eher malerisch ein. Während Berger die Farboberfläche beinahe "impressionistisch" aufbricht und eine unruhige Oberfläche schafft, war sie in meinen ersten Pastellen kompakt und geschlossen durch die großflächige Wiederabnahme von Farbschichten und deren Überarbeitung. Pastellfarbe auf weißem Papier hat die Eigenschaft, es einzufärben, denn ist der Farbstaub erst einmal aufgetragen und eingerieben, so lässt er sich nicht mehr vollständig vom Papier herunternehmen. Das Papier hat seine Jungfräulichkeit dann verloren, es bleiben immer Spuren der Farbe zurück. Auf diese Weise kann man dünne Schichten wie "Lasuren" übereinander legen, die hindurchscheinen. Bei dem Hintergrund der Arbeit "Paar" wurde so Schicht auf Schicht gelegt. Allerdings hat das Knetgummi die Eigenschaft, die Farben in einander zu verreiben und zu mischen, wodurch sie ihre Leuchtkraft verlieren und leicht stumpf wirken können. Auch die Wischtechnik, das Verreiben der Farbe mit den Fingern, kann dazu führen. Trotzdem habe ich in den frühen Pastellen gern gewischt und diese "schmutzigen" Effekte angestrebt, da sie meinem Verständnis vom Malerischen entsprachen.  
Nach dem Studium der Pastelle von Degas und anderen verzichtete ich weitgehend auf die Verwendung des Knetgummis, um zu einer reinen, ungemischten Farbe zu gelangen.

 

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Alle Bildrechte liegen, wenn nicht anders angegeben, beim Autor.

 

 

 

In der Ausstellung, 2013

 
 
 
Der Rufer, 1986/2012

 

 

Ringer, ca. 1985 

 

 

Der traurige Tag von Antibe, 1992

         

 
Amundsons Traum, Diptychon 1999/2000
 

  

Amsterdam, 2006

 

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Copyright aller Bilder © Kai Artinger